Der US-Präsident und die Sprachzensur
Wenn man in einem Land nicht mehr schreiben oder sagen darf, was einem in den Sinn kommt – wenn Wörter heimlich ausgelöscht oder verboten werden –, dann ist die Freiheit in Gefahr. Zensur nimmt nicht nur Einfluss auf die Sprache, sondern auf demokratische Strukturen. Das sind politische Warnzeichen und Vorboten autoritärer Systeme.
Als langjährige Konzeptionstexterin weiß ich um die Macht der Worte. Ich schätze die Freiheit der Sprache – die Möglichkeit, sie gänzlich uneingeschränkt und differenziert nutzen zu können – mehr als alles andere. Im heutigen Amerika ist diese Freiheit gefährdet. Kritische Stimmen wie Stephen Colbert (Moderator der „Late Night Show“) werden abgesetzt und Begriffe aus der amtlichen Sprache und staatlichen Dokumenten gestrichen. Entsprechende Direktiven an Ministerien und Behörden erklären Wörter wie „diversity“, „climate change“ und „feminism“ als unerwünscht. Die US-Bundesregierung verteidigt diese Maßnahmen als Rückkehr zu einer wissenschaftlich fundierten Sprache.
Auf der Seite von „PEN America“ findet sich eine wachsende Liste verbotener Wörter der US-Regierung. Der amerikanische Autorenverband setzt sich für die Freiheit des Schreibens ein, um die freie Meinungsäußerung in den Vereinigten Staaten und weltweit zu schützen. O-Ton: „Wir erkennen die Macht des Wortes, die Welt zu verändern.“
Ja, Sprache formt das Bewusstsein und es ist extrem schmerzhaft zu sehen, was da in Amerika zur erschreckenden Realität wird. Zu erkennen, dass eine Witzfigur von einem Präsidenten ungehindert bedrohlichen Einfluss auf die Sprache, die Demokratie und den Weltfrieden nimmt.
Ich eröffne an dieser Stelle meine ganz persönliche Liste verbotener Wörter: mit dem Namen des amtierenden US-Präsidenten. Und ich überlasse Schauspieler Bill Nighy das letzte Wort. Der Brite karikiert das Wortverbot auf seine Art, in seinem Podcast „Ill-advised by Bill Nighy“.
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